P-Seminar "Durchwachsene Silphie"

Im Rahmen eines P-Seminars Biologie des Abiturjahrgangs 2013-2015 wollten 11 Schülerinnnen und Schüler des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums ein Versuchsfeld mit der Becherpflanze "Durchwachsene Silphie" anlegen. Die Idee zu diesem Seminar entstand als auf einem Imkerkurs die Energiepflanze silphium perfoliatum als Mais-Ersatz für Biogasanlagen vorgestellt wurde. Nachdem in St. Ottilien sowohl eine Biogasanlage als auch ein Bienenhaus mit einigen Bienenvölkern vorhanden sind, war es für uns der ideale Ort, um diese Pflanze bekannter zu machen und zu erproben, die gleichzeitig gut für die Biogasanlage, gut als Bienenweide und schön anzusehen ist. 

 

Über die Pflanze:

Die Durchwachsene Silphie ist in der gemäßigten Klimazone Nordamerikas und in Kanada beheimatet. Sie erreicht ab dem zweiten Jahr Wuchshöhen von 2 m bis über 3 m. Bei der mehrjährigen Staude friert der oberirdische Teil im Winter ab, der unterirdische Teil ist gut frosthart und treibt im Frühjahr wieder aus. Bereits nach kurzer Zeit hat die Pflanze dann eine Blattrosette gebildet, die Unkraut unterdrückt. Im Sommer beginnt sie mit der Blüte, wobei bis in den Herbst nach und nach mehrere Etagen mit neuen Blüten angelegt werden. 

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Botanische Einordnung:

 

Ordnung: Asterales
Familie: Asteraceae
Unterfamilie: Asteroidae
Gattung: Silphium
Art: Silphium perfoliatum

 

Vorteile der Silphie gegenüber Mais:

  • mehrjährig
  • lange Blühdauer von Juli bis September mit schönen gelben Korbblüten
  • Trachtpflanze für Bienen mit Nektar und Pollen
  • wenig Pflanzenschutzmittel nötig
  • nach Etablierung keine Unkrautbekämpfung nötig
  • für Wildschweine nicht besonders attraktiv

Nachteile der Silphie gegenüber Mais:

  • bisher kein Direktsaatverfahren
  • schwierige Aufzucht von Setzlingen und Pflanzen der Setzlinge von Hand
  • direkt nach dem Pflanzen nicht besonders konkurrenzstark
  • kein Ertrag und keine Blüte im ersten Anbaujahr

 

 

Die Arbeit des Seminars:  

Nachdem uns von der Landwirtschaft des Klosters ein "pflanzfertiges" Feld zugesagt wurde, beschlossen wir zweigleisig zu fahren und 1000 Setzlinge vom Pflanzenzüchter zu bestellen und selbst Setzlinge aus Samen zu ziehen. So sollten wir in jedem Fall ein kleines Feld anlegen können. Entweder war es Anfängerglück oder die Beschreibungen zu den Problemen bei der Anzucht sind maßlos übertrieben. Dank unheimlich hoher Keimquoten konnten wir aus unseren Samen mehrere tausend Setzlinge aus den Saatschalen in Multitopfpaletten pikieren.

Die fertig bepflanzten  Multitopfpaletten bleiben bis zum Umzug der Setzlinge auf den Acker im Innenhof des Gymnasiums und wurden vom Seminar und in den Ferien je nach Wetter bei Bedarf täglich von den Biolehrkräften gegossen.  

Eigentlich hätten heute alle diese schönen Setzlinge auf das Feld gepflanzt werden sollen, aber leider war das von der Klosterlandwirtschaft zur Verfügung gestellte Feld kleiner als nach den letzten Gesprächen von uns erwartet. Nach der Zusage im Herbst, dass wir die Anpflanzfläche bei Bedarf auch vergrößern könnten, sind wir davon ausgegangen, dass wir dann einfach beim Bienenhaus ein viel größeres Stück vom Feld bekommen würden. Als wir bei den Terminabsprachen zur Pflanzung bei unserer neuen Wunschgröße nichts Gegenteiliges hörten, wurden wir unvorbereitet davon überrascht, dass nun doch nur Platz für weniger als ein Drittel der Pflanzen war. 

Immerhin konnte uns das Kloster nach langer Suche später noch ein weiteres Feld beim Hühnerhof zur Verfügung stellen, sodass in St. Ottilien über 2500 Setzlinge ausgepflanzt wurden. 

Dank der Unterstützung der Gärtnerei von St. Ottilien konnten wir arbeiten wie Profis. Mit der Pflanzmaschine werden Löcher vorbereitet, in die man dann die Setzlinge von Hand hineinstellt und andrückt. So war das Feld beim Bienenhaus bald voll und noch viele Pflanzen übrig. 

Die Setzlinge mussten noch eingegossen werden, um das Anwachsen zu erleichtern. Nachdem es mittlerweile Freitagnachmitag war, konnten wir uns nichts mehr aus der Gärtnerei leihen und mussten von Hand gießen. Das Wasser mussten wir mit Kannen aus dem Bienenhaus holen. Glücklicherweise war es in den nächsten Tagen nicht so trocken, sodass wir hier nur noch einmal gießen mussten. 

Auch am  nächsten Pflanztag beim zweiten Feld durften wir uns von der Gärtnerei wieder Traktor und Setzmaschine leihen

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Auch hier mussten wir wieder eingießen und das Wetter in den nächsten Tagen war sehr trocken, sodass jeden Tag gegossen werden musste. Da alle anderen in den Pfingstferien waren, durfte hier Herr Zobrist fast täglich zum Gießen kommen. 

Was hier am Feld beim Hühnerhof auch nicht mehr Platz fand, wurde nicht mehr in Ottilien gepflanzt. Weit über 1000 Pflanzen wurden so auf zwei Feldern von uns bekannten Landwirten und in diversen Privatgärten angepflanzt, wobei Freiwillige aus dem Seminar hier auch beim Einpflanzen von Hand ohne Maschine auf einem der Felder geholfen haben. Nachdem wir so viel Mühe in die Aufzucht gesteckt hatten, konnten wir Setzlinge einfach nicht verkommen lassen. 


Leider wächst auf dem Acker nicht nur Silphie gut, sondern auch alles andere. Gerade am Anfang ist es wichtig, dass die Konkurrenz die Setzlinge nicht zu sehr bedrängen kann, da diese sonst vor sich hinkümmern. Erst ab einer gewissen Größe kann sich die Becherpflanze nach der Anpflanzung gegen ihre unerwünschten Nachbarn durchsetzen.  Ab dem zweiten Jahr ist das angeblich überhaupt kein Problem. Hier ist wieder einmal Handarbeit gefragt. Mit Hand und Hacke mussten mehrmals Quecken und andere Kräuter zwischen den Silphies entfernt werden. 

 

Nachtrag im Herbst 2015:

Im Frühjahr zeigten sich bald, dass die Silphiepflanzen den Winter gut überstanden hatten. Sie wuchsen schneller als die Konkurrenz und überragten diese sehr schnell. So setzen sich die Pflanzen durch und verdrängten andere Pflanzen großteils. 

Ende Juni zeigten sich die ersten Blüten und im Oktober sind die letzten Pflanzen endgültig verblüht. Der Sommer war sehr trocken. Dank tief reichender Wurzeln waren die Silphies im Juli fast die einzigen Pflanzen auf (nicht bewässerten) Feldern, die noch geblüht haben. Die Nektarproduktion war während der Trockenphase vermutlich gering, aber als Pollenlieferant haben die Bienen sicher profitiert. Die Pflanzen haben in diesem Jahr immerhin bis über 2 m Größe erreicht und zahlreiche Blüten ausgebildet.

Leider haben wir im Frühjahr 2015 erfahren, dass das Feld am Hühnerhof zum Herbst wegen einer Erweiterung der Apfelplantage weichen muss. Zudem wird die Biomasse der Pflanzen nicht als Biogassubstrat verwendet. Nachdem zum Ausgleich keine alternative Fläche in Ottilien zur Verfügung gestellt wurde, wurden die Pflanzen im Herbst ausgegraben und an einem anderen Ort eingesetzt. Dies war zwar mühsam, aber dafür konnten wenigstens die Pflanzen erhalten werden, in die bisher so viel Arbeit bei Zucht, Pflanzung, Gießen und mechanischer Unkrautbekämpfung investiert wurde. Sollten diese am neuen Ort gut anwachsen, werden sie dort hoffentlich noch viele Jahre mit ihren Blüten Insekten und Menschen erfreuen. 

 

Wir danken: 

Jan Johannsen für die Spende von 3000 Samen
der Landwirtschaft des Klosters für zwei zum Pflanzen vorbereitete Felder - auch wenn nur eines davon mehr als eine Saison genutzt werden durfte
der Gärtnerei fürs Ausleihen von Traktor mit Setzmaschine und die Einweisung 
dem Elternbeirat, der die gekauften Setzlinge spendiert hat